Zufällig standen kürzlich zeitgleich ähnliche Themen in meinem kath. Religionsunterricht der Jahrgänge 9 und Q1 an: Gleichnisse, Wunder Jesu, Reich Gottes. Genau in dieser Zeit hatte ich Kontakt mit einem ehemaligen Schüler, Philipp Jeschke, der inzwischen Philosophie und Geschichte auf Lehramt studiert hat. So kam es zu einer Idee für zwei gemeinsame Unterrichtsstunden, in denen zweitausend Jahre alte biblische Inhalte unmittelbar Relevanz für unsere heutige Lebenswelt erhalten sollten: Wie gingen die Menschen damals, wie gehen wir heute mit Menschen um, die nicht der sog. „Norm“ entsprechen?
(Jutta Nießen, Lehrerin)
Als ehemaliger Viktoriaschüler hatte ich, Philipp Jeschke, am letzten Freitag im Januar die Freude, in zwei Religionskursen an meiner alten Schule zu Besuch zu sein. Gemeinsam mit Frau Nießen, mit der ich selbst früher Religionsunterricht hatte, sprach ich mit den Schüler*innen über die Darstellungsweise von Behinderung und den Umgang mit behinderten Menschen in der Bibel. Trotz des hohen Alters biblischer Texte zeigen sie teilweise eindrücklich Parallelen zu heutigem Ableismus – der Diskriminierung von Menschen mit Behinderung.
Das Nachdenken darüber, wie mögliche Handlungsalternativen damals hätten aussehen können, gibt zugleich Hinweise darauf, wie wir heute unsere Gesellschaft verändern müssten, damit tatsächlich alle Menschen an ihr teilhaben könnten. Die wichtigste Botschaft, die ich als Betroffener und Referent im Bereich Anti-Ableismus vermitteln wollte, ist:
Um Inklusion zu erreichen, müssen sich die gesellschaftlichen Strukturen ändern, nicht die Menschen, die von ihnen ausgegrenzt werden. Das gilt für die Schule sowie auch für alle anderen Bereiche unseres Zusammenlebens.
(Philipp Jeschke, ehem. Viktorianer)
Wir hatten uns zuvor schon mit Bibeltexten auseinandergesetzt und so fühlte sich die Stunde nicht fehl am Platz an und hat gut an den Unterricht angeknüpft.
Generell fand ich es schön, dass wir uns so auch andere Facetten der Bibel angeschaut haben und durch eine Brille auf die Texte geschaut haben, die man im Alltag leider nicht so oft benutzt. Zusätzlich haben wir gelernt, wie man zwischen verschiedenen Denkweisen über Behinderungen differenzieren kann, was ich gut mit in meinen Alltag genommen habe und meine eigene Denkweise zu Menschen mit Behinderungen stark ändern konnte.
(Fyn Hoffmann, Schüler Q1)